‘my7cents’: Hannah Nöthig über Effizienzgewinne und das nächste boomende Nutzungskonzept

Nov 22, 2019 12:23:13 PM
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Hannah Nöthig ist bei KIWI als Geschäftsführerin und COO zuständig für die Bereiche Operations, Finance und Legal. Mit ihrem Team kümmert sie sich unter anderem um die Bestandskunden und den stark wachsenden Neukundenbereich. In der Startup-Branche hat sich Hannah unter anderem durch ihr Mitwirken bei einer Neugründung in Hamburg einen Namen gemacht. Was sie zur Digitalisierung in der Immobilienbranche zu sagen hat, verrät sie uns diese Woche in unserer Reihe „my7cents“.


Was hältst Du für maximal unterschätzt im Rahmen der Digitalisierungsdebatte im Immobilienumfeld?

Teile der Branche – wirklich nur Teile! – scheinen abwarten zu wollen, wie es mit der Digitalisierung weitergeht. Dabei ist der Wechsel von manuellen zu digitalen Abläufen bereits in vollem Gang und spart den Akteuren schon jetzt viel Aufwand und Geld. Dabei geht es nicht nur um digitale Zugänge, sondern auch um z. B. Smart Metering und weitere Anwendungsformen. Welches Potenzial die bereits vorhandenen digitalen Lösungen haben, ist in einigen Teilen der Branche offenbar noch nicht angekommen. 

Welchen Satz kannst Du nicht mehr hören im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Immobilienumfeld?

“Die Branche ist sehr langsam, daher dauert die Digitalisierung lange. Die Immobilienunternehmen sind aber derweil aufgewacht, die Digitalisierung nimmt Fahrt auf.” Das ist so nicht mehr richtig, denn die Branche steckt bereits mitten in der Digitalisierung, und alle Unternehmen, die auf den Zug noch nicht aufgesprungen sind, sind ihrer Zeit hinterher. 

Wovon warst Du mal überzeugt, und bist es heute nicht mehr in Bezug auf die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft?

Die Lösungen, die PropTechs der Immobilienwirtschaft anbieten, sind in ihrem Ansatz – und zumeist auch schon in der Umsetzung – absolut überzeugend. Viele etablierte Unternehmen der Immobilienwirtschaft haben das Potential erkannt und entsprechend gehandelt. Dass es bei einigen Akteuren dennoch eine abwartende Haltung gibt, überrascht mich bis heute. 

Uber hat die Taxibranche aufgemischt. Siehst Du schon ein Uber für die Immobilienindustrie?

Na klar, KIWI! Ohne die digitale Verwaltung von Zutritt wird es in Zukunft nicht mehr gehen. Das disruptive Element ist hier aber nicht, dass die Immobilienindustrie sich singulär optimiert, sondern dass Zutritt als Plattform funktioniert und immer derjenige ein Zutrittsrecht hat, der gerade durch die Tür muss, unabhängig davon ob ihm die Tür gehört oder nicht (Bewohner, Hausmeister, Dienstleister wie Zusteller, Versorger, Entsorger, Pflegedienste, etc.).

WeWork hat dank digitalen Technologien das Nutzungskonzept CoWorking-Space bekannt gemacht: was wird das nächste Nutzungskonzept, das auf geteilten Ressourcen beruht?

Geteilter Wohnraum mit Community-Charakter wird das nächste boomende Nutzungskonzept. Es wird Gebäudekomplexe geben, später vielleicht ganze Straßenzüge oder Viertel, in denen viele Räume, Dienstleistungen und Dinge gemeinsam genutzt und von der Gemeinschaft verwaltet werden. Jeder hat seinen eigenen privaten Space, dieser wird aber im Vergleich zu den gemeinschaftlichen Spaces klein sein. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist das israelische Startup Venn, welches gerade eine 40 Mio. USD Finanzierung erhalten hat. 

Wenn Du Immobilieneigentümer wärst: was würdest Du mit Blick auf Digitalisierung als Erstes tun?

Als erstes würde ich einen Fokus auf Effizienzgewinn legen, d. h. Produkte wie digitaler Türzugang, Smart Metering etc. einbauen. So lässt sich ein positiver Effekt der Digitalisierung direkt spüren, und zwar durch die entsprechenden Kosteneinsparungen. Hier wäre der Fokus in der Effizienzsteigerung der eigenen Arbeit als Immobilieneigentümer sowie der Arbeit der Dienstleister. Erst nachrangig würde ich Prozesse und Produkte digitalisieren, die dem Mieter das Leben erleichtern. Denn diese geben dem Mieter zwar sofort einen Nutzen, führen aber im ersten Schritt auch zu Mehraufwand auf Vermieterseite, da man den Mietern die neuen Tools erklären muss und hier und da auch mit Widerständen rechnen muss. 

Wenn Du Hausverwalter wärst: was würdest Du mithilfe der Werkzeuge der Digitalisierung sofort abstellen?

Das althergebrachte Schlüsselmanagement ist mir ein Dorn im Auge, ganz klar. KIWI zeigt schließlich, wie es besser geht. In Zeiten von digitalen Türzugängen ist es nicht mehr hinnehmbar, dass Hausverwalter für zum Beispiel eine einfache Schlüsselübergabe durch die halbe Stadt fahren – und anschließend wieder zurück. Der Zeitaufwand steht in keinem Verhältnis. Die Umrüstung auf ein digitales Schließsystem rechnet sich gerade für Verwaltungen mit mittleren und größeren Beständen innerhalb kürzester Zeit. Bei Sanierungsobjekten oder Neubauten sollte der Einsatz digitaler Lösungen eigentlich keine Frage mehr sein. 

Wenn Du Immobilienentwickler wärst: wie würdest Du die Möglichkeiten der Digitalisierung für Dein Geschäft nutzen?

Gerade als Immobilienentwickler ist es aufgrund der langen Investitionszyklen besonders wichtig, dass die digitalen Lösungen, die in die Neubauten eingebaut werden, up-to-date und auch zukünftig relevant sind. Im Jahr 2019 noch Türen mit 2000 Jahre alten physischen Schlüsseln einzubauen und zu glauben, diese werden die nächsten 40 Jahre genutzt, ist nicht effizient. Baut man jetzt schon elektrifizierte Zargen in die Türen und bspw. SmartDOORS in die Wohnungstüren, spart man sich in ein paar Jahren aufwändige Nachrüstungen.

 

‘my7cents’: Hannah Nöthig on efficiency gains and the next booming utilisation concept

Hannah Nöthig is KIWI’s Managing Director and COO responsible for Operations, Finance and Legal. With her team, she takes care of existing clients and the fast-growing new client segment. Hannah has made a name for herself in the start-up industry through her involvement in a new venture in Hamburg. Find out what she has to say about digitization in the real estate industry in our series “my7cents”.

What do you think is completely underestimated when discussing the digitization of the real estate sector?

Parts of the industry – really only parts! – seem to want to wait and see how the digitization progresses. The change from manual to digital processes is well under way and already saving the participants a lot of effort and money. This is not only about digital access to housing, but also about smart metering and other applications. The potential of existing digital solutions has apparently not yet been realised in some parts of the industry. 

Which sentence are you tired of hearing when it comes to the digitization of real estate?

“The industry is very slow, that’s why digitization takes a long time.” and “The real estate companies have woken up, digitization is picking up speed.” This is no longer true, because the industry is already in the middle of digitization, and all companies that have not yet jumped on the bandwagon are lagging behind. 

What were you once convinced of, and are you no longer convinced today regarding the digitization of the real estate industry?

The solutions offered by PropTechs to the real estate industry are absolutely convincing in their approach – and mostly already in their implementation. Many established companies in the real estate industry have recognized the potential and acted accordingly. The fact that there is still a wait-and-see attitude among some players surprises me to this day. 

Uber has shaken up the taxi industry. Do you already see an Uber for the real estate industry?

Of course, KIWI! Without the digital management of access it will not work in the future. The disruptive element here, however, is not that the real estate industry optimizes itself singularly, but that access functions as a platform. What is important is that the one who has to go through the door has the right to access it, regardless of whether the door belongs to him or not (residents, caretakers, service providers such as delivery staff, suppliers, disposers, nursing services, etc.).

Thanks to digital technologies, WeWork has made CoWorking known as a new usage concept: what will be the next usage concept based on shared resources?

Shared living with a community character will be the next booming usage concept. There will be building complexes, later maybe entire streets or quarters, where many rooms, services and things are shared and managed by the community. Everyone has their own private space, but it will be small compared to the shared spaces. A good example of this development is the Israeli startup Venn, which has just received $40 million in funding. 

If you were a real estate owner, what would you do first when it comes to digitization?

First, I would focus on efficiency gains, i.e. adding products such as digital door access, smart metering, etc. In this way, a positive effect of digitization can be felt directly, through the corresponding cost savings. The focus here would be on increasing the efficiency of one’s own work as a property owner and the work of service providers. Only secondarily would I digitize processes and products that make life easier for tenants. These give the tenant an immediate benefit, but in the first step they also lead to additional costs on the landlord’s side, as the new tools have to be explained to the tenants and resistance has to be expected here and there. 

If you were a property manager, what would you do immediately with the help of digital tools and technology?

The traditional key management is a thorn in my side, of course. After all, KIWI shows how to do better. In times of digital door access, it is no longer acceptable for property managers to drive through half the city for a simple key handover – and then back again. The time required is disproportionate. The conversion to a digital locking system pays off within a very short time, especially for companies with medium-sized and large portfolios. In the case of renovation projects or new buildings, the use of digital solutions should no longer be a question at all.

If you were a real estate developer, how would you use the possibilities of digitization for your business?

As a real estate developer, it is especially important that the digital solutions that are built into new buildings are up-to-date and relevant for the future because of the long investment cycles. To install doors with 2000 year old physical keys in 2019 and believe that they will be used for the next 40 years is not efficient. If electrified frames are already installed in the doors and SmartDOORS in the apartment doors, for example, it will be possible to save on expensive refitting in a few years time.